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Unsere Schafe haben keine Ställe, dafür aber ein dickes Fell! In die Unterstände auf den Weiden gehen sie fast nur bei Regen und bei praller Sonne. Selbst wenn dick Schnee liegt, verbringen sie die Nacht lieber draußen. Dann brauchen wir nur die dunklen Flecken im Schnee zu zählen, um zu kontrollieren, ob die Herde komplett ist.
Wenn es im Frühjahr aber wärmer wird, wird ihnen die dicke Wolle doch lästig. Sie müssen sich dann aber noch gedulden, denn es kann bekanntermaßen immer noch etliche frostige Nächte geben. Außerdem wollen wir so kurz nach der Ablammzeit um Ostern herum keine Unruhe in die Herde bringen und die Mütter möglichst noch schonen. Aber Anfang Juni wird es dann doch Zeit. Mit einem der Schäfermeister aus unserem Schafzuchtverein hatten wir den 9. Juni als Schertermin verabredet.
Unsere Feriengäste mit Kindern freuten sich, dass sie bei diesem nicht alltäglichen Ereignis dabei sein konnten. Während der Schafscherer seinen Arbeitsplatz einrichtete, holten wir zunächst die fünf Böcke von der Weide. Am meisten beeindruckte das Scheren von Flocke, in dem gotländisches Pelzschaf steckt: Ein riesiges, großes Wollknäuel schrumpfte auf ein recht schmales Tier, das mit seiner Schwarz-Weiß-Färbung schon für ein Kalb gehalten wurde. Das anschließende Heranführen der weiblichen Schafe mit ihren Lämmern erforderte schon den vollen Einsatz aller Familienmitglieder. Geschoren wurden aber nur die 25 Muttertiere sowie die vier Lämmer vom Vorjahr.
Die Arbeitsteilung funktionierte prächtig. Wolfgang war zuständig für das Einfangen der Tiere und Hinsetzen auf die Holzpalette zum Scheren. Nur bei den wenigen großen schweren Tieren half Familienvater Guido dabei mit. Nach dem Scheren räumte er die Wolle beiseite, die dann von seiner Frau Ilka in Papiersäcke gestopft wurde. Während des Scherens des nächsten Tieres bekam das zuvor geschorene und von Guido fest gehaltene Tier von einem der beiden Kinder Cailin oder Constantin einen roten Punkt auf den Hinterkopf und Margot rieb den geschorenen Rücken mit Butox ein, um die Tiere vor der Schaflausfliege zu schützen.
So füllten sich die säuberlich beschrifteten Säcke recht rasch mit Wolle und die vielen nackten Mutterschafe wirkten neben ihren auch schon gut bewollten Lämmern auf einmal recht klein. Nach gut zwei Stunden war alles erledigt. Alle waren zufrieden und erschöpft!
Was passiert mit der Wolle? Das fragen viele Feriengäste.
Zu DDR-Zeiten war sie sehr begehrt und es gab richtig gut Geld dafür. Heute ist sie fast nichts mehr wert. Es sei denn, es handelt sich um große Herden mit guten Wollschafen, wie z. B. den Merinos. Bei uns sieht es so aus: Nachdem wir kleinere Mengen von Wolle an Feriengäste oder andere Besucher mitgegeben haben zum Filzen oder Spinnen, geben wir fast die gesamte Wolle von unseren Skudden gleich dem Schafscherer mit, der größere Mengen zusammen sammelt und dann vielleicht 20 bis 30 Cent pro Kilo bekommt. Die kostbarere Wolle von unseren größeren Tieren (mit gotländischem Pelzschaf-Hintergrund) verkaufen wir für wenig Geld an eine Gruppe von Landfrauen im Kreis Prignitz, die sie verspinnen und daraus Wollsachen herstellen.
Margot und Wolfgang Pauli, 30. Juni 2010
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